Ekaterinburg

Am nächsten Tag setzen wir unsere Reise fort. Unser Ziel war diesmal die Stadt Ekaterinburg, 200 km von Tschelyabinsk entfernt. Wir danken vom ganzen Herzen Vladimir und Alexander Don und Evgenia Naljotova für die Hilfe beim Einkauf von süßen Überraschungen für die Kinder. Außerdem haben sie uns die Transportmittel für diese Reise zur Verfügung gestellt und Alexander hat noch darüber hinaus sich Zeit genommen, um unter den Kindern Geschenke zu verteilen und um ihnen auch die so notwendige Aufmerksamkeit zu schenken.

In der Klinik hat uns Tatjana Belych empfangen. Sie ist nicht nur unsere Gleichgesinnte und freiwillige Helferin. Unglücklicherweise wurde Tatjanas Sohn ein paar Tage vor unserer Anreise  in die Abteilung für pädiatrische Onkologie und Hämatologie eingewiesen.

Leider hatten wir keine Möglichkeit, im Krankenhaus Ekaterinburg ein weiteres kleines Fest zu veranstalten. Die Abteilungsleiterin, Dr. Olga Pavlovna Chlebnikova, konnte uns leider nicht persönlich empfangen, aber sie schickte ihre Vertreterin, Dr. Olga Nikolaevna, damit sie uns während unseres Rundganges durch die Station begleitet. Nach der Reaktion der Kinder zu beurteilen, genießt Olga Nikolaevna bei den Kindern viel Respekt und Vertrauen. Die Kinder begegneten sie mit fröhlichem Lächeln, und manche sogar mit Scherzen.

Wir gingen durch die Räume der Station und trafen überall auf die gleiche Reaktion: zunächst benahmen sich die Kindern zurückhaltend. Nachdem wir das Ziel unseres Besuches erklärt hatten, kam das Lächeln. Und zum Schluss, nachdem wir die Geschenke verteilt hatten,  erkannten uns die Kinder (besonders die Kleinen) als sehr gute, vertrauenswürdige Freunde an. Den größten Eindruck machte auf mich der kleine Vanja, ein Kind mit dem Down-Syndrom. Solche Kinder zeigen ihre Gefühle besonders emotional. Als wir in sein Zimmer hereingekommen sind – wie es sich gehört, in Schutzmasken und Kitteln – hat der Kleine wild mit den Händen um sich herum gewedelt, mit der Faust auf den Tisch geschlagen, die Augenbraunen zusammengeführt – und dabei plapperte er irgendwas furchterregendes in seiner eigenen, nur ihm verständlicher Sprache. Das Malbuch und die Buntstifte nahm er von uns zwar noch vorsichtig, war aber schon etwas besser gestimmt. Als er aber bei uns Kaubonbons, Trinkjogurt und Saft entdeckt hat, und verstanden hat, das wir keine Bedrohung darstellen, lachte er glücklich, fing an, uns schöne Augen zu machen, und Küsshand zuzuwerfen. Im selben Zimmer gab es übrigens noch einen Jungen. Eins dieser Kinder  kam ins Krankenhaus aus einem Kinderheim, der andere kommt aus einer sozial schwachen Familie, deswegen kümmern sich um diese Kinder nicht nur Ärzte, sondern auch freiwillige Helfer, die einer wohltätigen Verein angehören.

Der Abschied auch von diesen Kindern und deren Eltern fiel uns extrem schwer. Aber die Zeit war gekommen und wir mussten das Krankenhaus verlassen. Ich habe einen Abschiedsblick auf das Krankenhausgebäude geworfen und wollte eine Bewegung in einem der Fenster bemerkt zu haben. Ich schaute etwas aufmerksamer zu und – ich sah den kleinen Vanja. Die Helferin aus dem wohltätigen Verein hielt ihn am Fenster hoch und er winkte uns und warf Kusshand zu und wollte damit nicht aufhören... In diesem Moment wurde mit klar, dass ich diese Kinder unbedingt noch mal besuchen komme, anders kann ich einfach nicht!

Insgesamt wurden in die Krankenhäuser Tschelyabinsk und Ekaterinburg eingeliefert:

- 10 neue Infusionspumpen

- 1000 Infusionspumpensysteme

- 8 Spritzpumpen

- 250 Spritzen für Spritzpumpen

- 1000 Ansätze für elektronische Thermometer

- verschiedene Blutdruckmanschetten

In einem Gespräch bestätigten die Ärzte, dass die größte Notwendigkeit bei Infusions- und Spritzpumpen besteht. Der gewagteste Traum der Ärzte ist jedoch ein eigener MRT-Gerät für die Kinderklinik, damit die Kinder mit den onkologischen und hämatologischen Erkrankungen auf die MRT-Untersuchung nicht monatelang warten müssen, was ihnen oft zum Verhängnis wird. Dieser Traum ist jedoch so kostspielig, dass die Ärzte nicht mal zu hoffen wagen, dass er mal in Erfüllung geht. Wir glauben aber, dass es nichts unmögliches gibt! Mehrere Hilfsorganisationen, Sponsoren und natürlich die Stadtverwaltung sollten sich lediglich zusammentun und dann kann auch dieser Traum wahr werden.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Menschen, die unserem Hilferuf gefolgt sind. Ein ganz besonderer Dank gilt unseren Partnern bei diesem Projekt: „Ein Herz für Kinder“ e.V. und AWD-Stiftung Kinderhilfe, die erneut großzügige Hilfe geleistet haben – dort, wo man sie am nötigsten gebraucht hat.

Und wir danken auch allen hilfsbereiten Menschen, die uns bei der Umsetzung dieses Projektes unterstützt haben!

Hier ist ein kleiner Fotobericht.